Das göttlich Weibliche – von Sanftmut und Zerstörung

Göttlich Weiblich

“The divine feminine” oder das göttlich Weibliche ist ein Thema, das mir extrem schwer fällt und umso mehr muss ich darüber schreiben. Ich hatte die meisten Jahre meines Lebens keinen oder sehr wenig Zugang zu meiner weiblichen Seite. Ich bin als “Wildfang” mit kurzen Haaren und Latzhose aufgewachsen und habe in der Pubertät angefangen, etwas gebückt zu gehen, um meine weiblichen Rundungen nicht auffallen zu lassen. Ich wollte handwerklich mit Holz arbeiten und habe mich in Beziehungen immer irgendwie falsch und unvollkommen gefühlt.

Wie das Leben so will, sind es oft die schwierigsten Themen, bei denen man am liebsten möchte, dass sie einem auf immer vom Hals gehalten werden, die für einen selbst am Ende zum wahren Schatz an Erkenntnis, Glück und Wachstum werden. So auch für mich das Thema “Weiblichkeit”. Es wurde mir förmlich aufgezwungen, als ich während meiner Zeit als Matrosin – einer klassischen Männerrolle in der ich mich unglaublich wohl gefühlt habe – ungewollt schwanger wurde. Das Leben in Freiheit war dadurch dann schnell zu Ende – ich fand mich alleine und gefangen in einer absolut weiblichen Rolle wieder und musste mich plötzlich den Herausforderungen und dem Wachstum stellen, das mich zu der glücklichen, dankbaren und inzwischen sehr weiblichen Frau gemacht hat, die ich heute bin.

Aner was bedeutet Weiblichkeit? Wenn man die Göttinnen verschiedenster Kulturen, Zeiten und Glaubensrichtungen betrachtet ist das göttlich Weibliche gar nicht das, was in unserer heutigen westlichen Kultur als feminin bezeichnet wird. Es beschränkt sich keineswegs auf das Sanfte, Schöne und Fürsorgliche, was hierzulande in den Köpfen rumgeistert, wenn man an Frau-Sein denkt. Weibliche Göttinnen sind natürlich teilweise nährend, bemutternd und fürsorglich. Aber sie sind auch kämpferisch, zerstörend und vernichtend. Wenn wir die Weiblichkeit in unserem Sein annehmen, geht es in erster Linie darum, nicht mehr eine Schattenseite in uns zu unterdrücken oder heilen zu wollen und uns dabei auf das Schöne und Friedliche zu fokussieren, das zukünftig in den Vordergrund rücken soll. Es geht darum, ALLE Anteile in uns zu sehen und zu akzeptieren als gleichwertige Kräfte ohne die wir nicht stark und autentisch sein können. Es geht darum, alte Glaubensmuster aufzulösen, die teilweise seit Generationen von Mutter an Tochter weitergegeben wurden und die uns sagen, dass das Wilde, Freche und Zerstörerische in uns falsch ist und nicht sein darf.

Nur durch das Widerherstellen der Balance zwischen weiblichen und männlichen Energieren in uns und in unserer Gesellschaft kann am Ende eine komplette Gesundung erfolgen, die in der heutigen Zeit ansteht, um als Individuum und gesamte Menschheit die nächsten wichtigen Schritte zu gehen.