Verschlossene Türen – den Dingen Zeit lassen

Verschlossene Türen bedeuten nicht immer, dass man umkehren muss.

Verschlossene Türen. Kennt ihr das? Da folgt man seiner Intuition, macht sich auf den Weg, klettert Stück für Stück nach oben (in diesem Fall auf mein geliebtes Ulmer Münster) und steht dann kurz vor dem Ziel vor einer verschlossenen Türe. Der Weg zum Ziel ist mit einem dicken Eisenschluss versperrt und es geht nicht weiter. Die Aussicht ist zwar ganz nett, aber auch versperrt von Gittern und Netzen und eben nicht das, was man eigentlich als Ziel im Sinn hatte. Im übertragenen Sinne hatte ich diese Erfahrung privat und beruflich in letzter Zeit auch immer wieder machen dürfen. Man denkt, man folgt intuitiv einem bestimmten Weg, ist genau richtig und auf seinem ganz eigenen Pfad unterwegs und – dann geht es nicht weiter. Wo man auch hinsieht, man hat das Gefühl, plötzlich vor einer Wand zu stehen und fragt sich, was das denn jetzt sollte.

Aber zurück zu meinem Ausflug: Zwei Männer kamen kurz nach mir ebenfalls dort an und waren auch kurz enttäuscht, eine verschlossene Tür zur Spitze des Turmes vorzufinden. Sie haben dann eine Runde gedreht, Fotos gemacht und sind wieder runter. Ich bin oben geblieben, habe entschieden, dass ich mich freue, die Welt trotzdem gerade aus einer anderen Perspektive sehen zu dürfen und war glücklich. Wie Vera F. Birkenbihl wohl mal so oder so ähnlich gesagt hat – Man muss lernen, die Plateaus zu lieben, wenn es gerade nicht weiter bergauf geht!

Und wie das auch im Leben oft ist – als ich von meinem eigentlichen Ziel und der Enttäuschung, es nicht erreicht zu haben, losgelassen hatte, kam der Turmwärter und hat die Türe nach ganz oben aufgesperrt. Es ging doch wieder weiter, als ich es gar nicht mehr erwartet habe!

Meine Lektion für diesen Tag war, dass man manchmal zu früh denkt, dass man sein Vorhaben nicht zu Ende bringen kann und es sich lohnt, genau dann erstmal zu genießen, was man bis dahin erreicht hat. Wenn man loslässt, geht es oft von ganz alleine wieder weiter!

Und als Belohnung oben drauf hatte ich dabei auch noch einen faszinierenden Menschen kennengelernt und mich etwa eine Stunde lang unglaublich gut unterhalten – mit dem Turmwart des Ulmer Münsters von dem ich bis dahin noch nicht einmal wusste, dass es ihn überhaupt gibt, obwohl ich schon oft dort war. Wie kann ein kurzer Ausflug schöner, überraschender und lehrreicher sein als dieser, wenn man nur seine Vorstellung davon wie es zu sein hat über Bord wirft!